Sieht man von den Moorleichen ab, gibt es so gut wie keine vollständigen Kleidungsfunde im gesamten Frühmittelalter.
Für die Zusammenstellung und Machart orientiere ich mich alten Malereien (z.B Stuttgarter Psalter) und an schriftlichen Überlieferungen antiker Schriftsteller.
An korrodierten Metallstücken, z.B. von Gürtelschnallen, haben sich Stoffreste teilweise erhalten und dadurch können verschiedene Stoffe und Webarten belegt werden.

Als weitere wissenschaftliche Belegart gelten schriftliche Überlieferungen aus der damaligen Zeitepoche über Tracht, Ausstattung, Erscheinungsbild!

Allgemeingültiges Erscheinungsbild:

Die Kleidung der Frau änderte sich parallel zu der Fibeltrageweise, wobei Oberkleid und Unterkleid scheinbar immer getragen wurden. Die Beine wurden von Wickeln geschützt. In einigen Frauengräbern wurden sogenannte Vittas (Stirnbänder) gefunden, die mit Goldstreifen durchwirkt waren (z.B. Aschheim). Diese wurden möglicherweise einzeln oder in Verwendung mit einem Schleier getragen.
Die Gewandung des Mannes veränderte sich über die gesamte Epoche der Frühgeschichte kaum. Eine Ober- und Untertunika, Hose, Rechteckmantel, Wadenwickel und lederne Schuhe oder Stiefel gelten als Standart.
Laut Wissenschaft kam Mitte der Merowingerzeit noch ein kaftanähnlicher Mantel hinzu. Wobei die sich hier die Belege auf vendelzeitliche Pressblechmodelle stützen (ab 600 nach der der Zeitrechnung). Ein früheres Auftreten dieser Mäntel wäre trotzdem durchaus möglich.
Häufig waren die Kleidungsstücke mit Borten (wenige Einzelfunde), Stickereien oder Stoffapplikationen verziert.





Grundsätzliches zu meinen Rekonstruktionen:

Die Interpretation und Rekonstruktion erweist sich im Allgemeinen als schwieriges Unterfangen. Die meisten gefundenen Gewebereste aus der Merowingerzeit befinden sich im Millimeter- bis Zentimeterbereich. Das damalige Aussehen einzelner Personen oder Personengruppen zu ermitteln ist schier unmöglich, da die Menschen damals, wie wir heute, verschiedene Kleidungsstücke unterschiedlicher Stoff- und Webarten über- und nebeneinander trugen. Dazu kommen noch diverse Ausbesserungen an den Kleidungsstücken, Borten, Textilkombinationen usw. Die Menschen folgten damals, wie wir heute, auch gewissen Trends und Einflüssen, deshalb sollte man von einer Individalilität (nicht Uniformität) und verschiedenen Geschmäckern ausgehen. Einige wenige Funde können nicht als Beleg für das Aussehen aller damalig lebenden Personen gelten. Neueste Untersuchungsmethoden erlauben wissenschaftlich nur noch generelle Aussagen zu dem ehemals befindlichen Gewebe am jeweiligen Leichnam. Letztendlich bleibt die Rekonstruktion einer kompletten Gewandung (mit kompletten Zubehör) ein Spagat zwischen überlieferten Befund und der Visualisierung der Darstellung.

Momentan stützt sich die Wissenschaft und Szene bei der Rekonstruktion von Frauengewandungen auf die Kleidungsfunde und zeichnerischen Rekonstruktionen der Arnegunde aus Saint-Denise, der Wisigarde aus dem Kölner Dom und der heiligen Bathilde von Chelles-sur-Marne als mögliches Erscheinungsbild der Frauen zur Merowingerzeit. Hierzu sei nur gesagt, dass es sich hier um Königinnen und einer Königin als Äbtissin handelt. Diese Trachtbeispiele sollten nicht als allgemeingültig für die damalige Tracht gesehen werden.







Die häufigste Stoffart war die Leinwandbindung. Leinen und Wolle wurden in der heimischen Produktion hergestellt. Gefunden wurden auch Gewebe aus Nessel und Hanf. Seide und Baumwolle wurden importiert, und waren der Oberschicht vorbehalten. Es gab eine Vielzahl von Köperbindungen, z.B. Frischgrat-, Rippen-, Rosetten- und Diamantköper. Die Stoffe wurden häufig in kräftig leuchtenden Farben gefärbt.
Die folgenden Bilder sind nur Beispiele meiner Stoffe in verschiedensten Farbkombinationen und Köperbindungen. Sie wurden u.a. von einer Spezialistin gewebt und finden Verwendung bei meinen gesamten Darstellungen.






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